Stundensatz als Freelancer berechnen (2026)
Der häufigste teure Fehler unter Selbstständigen: einen Stundensatz „aus dem Bauch“ nennen. Wer 45 € sagt, weil das nach viel klingt, arbeitet oft unter den eigenen Kosten. Dieser Ratgeber zeigt dir die saubere Formel — inklusive durchgerechnetem Beispiel.
Die Formel in einem Satz
Dein Stundensatz ergibt sich nicht aus dem, was du „verdienen willst“, sondern aus dem, was du am Jahresende brauchst — geteilt durch die Stunden, die du realistisch abrechnen kannst:
Beide Zahlen unterschätzen die meisten. Deshalb rechnen wir sie Schritt für Schritt auf.
Schritt 1: Dein benötigter Jahresumsatz
Nicht dein Wunsch-Netto — sondern alles, was reinkommen muss, damit unterm Strich dein Zieleinkommen übrig bleibt:
- Zieleinkommen (netto) — was du privat zum Leben brauchst.
- + Einkommensteuer & Vorsorge — als Selbstständige/r zahlst du Kranken-, Renten-/Altersvorsorge und Einkommensteuer selbst. Das ist ein erheblicher Aufschlag.
- + Betriebskosten — Software, Büro, Versicherungen, Weiterbildung, Geräte.
- + Rücklagen & Puffer — Krankheit, Auftragsflauten, Investitionen. Ohne Puffer wird jede ruhige Woche zum Problem.
Schritt 2: Deine fakturierbaren Stunden
Ein Jahr hat viel weniger abrechenbare Stunden, als man denkt. Erst die produktiven Arbeitstage:
Aber: Von diesen Stunden kannst du niemals alle abrechnen. Akquise, Angebote, Buchhaltung, E-Mails und Leerlauf fressen einen großen Teil. Realistisch sind bei vielen Freelancern nur 60–70 % fakturierbar (die restliche Zeit ist unbezahlt, aber notwendig). Genau hier verkalkulieren sich die meisten.
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Lexware Office ansehen →Schritt 3: Gemeinkosten & Gewinnaufschlag
Kosten, die keinem Projekt direkt zuzuordnen sind (Steuern, Abgaben, Energie, Beratung), gehören in Schritt 1 bereits mit hinein. Zum Schluss kommt der Gewinnaufschlag obendrauf — dein Sicherheitspolster und deine Marge. Üblich sind je nach Erfahrung 10–15 % für Einsteiger und 20–30 % für Erfahrene.
Rechenbeispiel
Eine Freiberuflerin will 3.000 € netto im Monat zum Leben (36.000 €/Jahr). So sieht ihre Kalkulation aus (Zahlen gerundet und illustrativ):
| Position | Betrag / Jahr |
|---|---|
| Zieleinkommen (netto, zum Leben) | 36.000 € |
| + Einkommensteuer & Vorsorge (grob) | 24.000 € |
| + Betriebskosten | 8.000 € |
| + Rücklagen & Puffer | 6.000 € |
| = Benötigter Jahresumsatz | 74.000 € |
Fakturierbare Stunden: 216 Arbeitstage × 8 h = 1.728 h, davon 65 % abrechenbar ≈ 1.123 h.
Die spontane „40 € klingt fair“-Antwort hätte hier zu einem Verlustgeschäft geführt. Genau das ist der Grund, warum sich die Rechnung lohnt. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Freelancer-Stundensatz lag 2026 bei rund 103 € — dein persönlicher Wert kann aber deutlich darüber oder darunter liegen.
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Zum Stundensatz-Kalkulator →Häufige Fehler
- Netto mit Umsatz verwechseln. Von 79 € Umsatz bleiben nach Steuern, Vorsorge und Kosten nur ein Bruchteil übrig.
- Volle Auslastung annehmen. Niemand rechnet 1.728 h ab. Wer das tut, kalkuliert sich arm.
- Rücklagen vergessen. Krankheit, Urlaub und Flauten sind keine Ausnahme, sondern eingeplant.
- Nie nachjustieren. Steigen deine Erfahrung und Nachfrage, steigt dein Satz mit.
Häufige Fragen
Wie hoch sollte mein Stundensatz als Freelancer sein?
So hoch, dass benötigter Jahresumsatz ÷ fakturierbare Stunden aufgeht — plus Gewinnaufschlag. Als grobe Orientierung lag der Durchschnitt 2026 bei rund 103 €/h, dein individueller Wert hängt aber von Kosten, Auslastung und Branche ab.
Wie viele Stunden kann ich im Jahr abrechnen?
Realistisch 60–70 % deiner produktiven Arbeitszeit. Bei ~216 Arbeitstagen à 8 h sind das grob 1.000–1.200 fakturierbare Stunden.
Wie viel Gewinnaufschlag ist üblich?
Für Einsteiger 10–15 %, für Erfahrene 20–30 % auf den Mindest-Stundensatz.
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